Pilze gegen Prostatakrebs: Was sagt die Wissenschaft wirklich?
Pilze gelten seit Jahrtausenden als Heilmittel, in der asiatischen Medizin, in der Naturheilkunde, und zunehmend auch in der westlichen Ernährungsforschung. Doch was steckt wirklich hinter den Versprechen? Können Shiitake-Extrakte, Reishi-Pilze oder ganz gewöhnliche Champignons tatsächlich etwas gegen Prostatakrebs ausrichten? Die Antwort ist differenzierter und in einem Fall erstaunlicher, als man erwarten würde.
Pilze und Gesundheit: Große Versprechen, wenig harte Beweise?
Pilze werden regelmäßig für ihre medizinischen Eigenschaften gelobt. Manche Studien behaupten, sie könnten uns „gesünder, fitter und glücklicher machen und länger leben lassen." Klingt gut, aber wie belastbar ist das wirklich?
Die ehrliche Antwort: Nur sehr wenige strenge Humanstudien stützen diese Behauptungen bisher. Viele Erkenntnisse stammen aus Laborexperimenten mit Zellkulturen, Tierversuchen oder kleinen, unkontrollierten Pilotstudien. Das bedeutet nicht, dass Pilze wirkungslos sind, aber es bedeutet, dass wir Marketingversprechen mit gesunder Skepsis begegnen sollten.
Lentinan aus dem Shiitake: Vielversprechend, aber begrenzt
Aus dem Shiitake-Pilz wird ein Wirkstoff namens Lentinan gewonnen, ein aufwändiger Prozess: Für rund 30 Gramm reinen Lentinans braucht man etwa 180 Kilogramm Shiitakes, also rund 2.000 Tassen Pilze. Dieser Extrakt wird intravenös verabreicht, also gespritzt, nicht gegessen.
Was zeigen die Studien? Eine Auswertung von über einem Dutzend kleiner klinischer Studien ergab, dass Lentinan in Kombination mit Chemotherapie bei Lungenkrebs die Ansprechrate (z. B. Tumorschrumpfung) verbessern und Nebenwirkungen der Chemo auf Darm und Knochenmark reduzieren kann. Das klingt positiv, aber wie steht es mit dem Überleben?
Eine Analyse von 17 Humanstudien zeigte zwar einen Vorteil beim Einjahres-Überleben bei fortgeschrittenem Krebs, aber keinen signifikanten Unterschied beim Zweijahrüberleben. Und der durchschnittliche Überlebensvorteil durch Lentinan? 25 Tage. Das ist nicht nichts, aber weit entfernt von einem Wundermittel.
Hinzu kommt: Viele der begeisterten Tierstudien zu Lentinan wurden an Ratten durchgeführt. Was bei Nagetieren wirkt, lässt sich nicht einfach auf Menschen übertragen, ein klassischer Fallstrick in der medizinischen Forschung.
Shiitake-Extrakt-Kapseln für Prostatakrebs: Teuer und unwirksam
Im Internet sind Shiitake-Pilz-Extrakt-Kapseln zur Behandlung von Prostatakrebs für rund 300 US-Dollar pro Monat erhältlich. Angesichts des Preises müssten sie doch wirksam sein, oder?
Leider nein. In einer klinischen Studie mit Männern, die an Prostatakrebs erkrankt waren, war der Shiitake-Extrakt schlicht unwirksam. Die Forscher schrieben deutlich: Die Ergebnisse zeigen, dass Behauptungen über alternative und komplementärmedizinische Behandlungen, insbesondere bei Kräuter- und Nahrungsergänzungsmitteln, schnell und einfach überprüft werden können. Und die Überprüfung ergab: Nicht wirksam.
Das Erschreckende ist nicht, dass ein Mittel nicht funktioniert, das kann passieren. Das Erschreckende ist, dass Menschen mit ernster Erkrankung viel Geld für nicht geprüfte oder widerlegte Therapien ausgeben.
Reishi, der „Pilz des ewigen Lebens"?
Der Reishi-Pilz, auch als „Pilz des Lebens" oder „Gottespilz" bekannt, hat einen ehrwürdigen Ruf in der traditionellen Medizin. Doch was ergaben klinische Studien bei Krebspatienten?
Das Ergebnis war ernüchternd: Keine signifikanten krebshemmenden Effekte, nicht einmal eine einzige Teilreaktion. Im Reagenzglas tötet Reishi-Extrakt Prostatakrebszellen, aber das gilt auch für gewöhnliche Champignon-Extrakte. Das Problem: Was in der Petrischale funktioniert, muss im menschlichen Körper noch lange nicht wirken.
Der überraschende Star: Der gewöhnliche Champignon
Und hier wird es wirklich spannend. Was teure Extrakte und exotische Heilpilze nicht schafften, könnte der ganz normale weiße Champignon leisten, zumindest nach einer bemerkenswerten Pilotstudie.
Die Forscher verwendeten dabei keine teure Spezialzubereitung, sondern einfach ganze, getrocknete und pulverisierte Champignons. Die tägliche Menge: umgerechnet etwa eine halbe bis eineinhalb Tassen frische Champignons, eine absolut alltagstaugliche Menge.
Die Studienteilnehmer waren Männer mit biochemisch rezidiviertem Prostatakrebs: Ihr Primärtumor war bereits operativ entfernt oder bestrahlt worden, doch der Krebs war zurückgekehrt, sichtbar an steigenden PSA-Werten (PSA = Prostata-spezifisches Antigen, ein Marker für Prostatakrebsaktivität).
Von 26 Patienten, die das Champignon-Pulver erhielten, zeigten 4 Männer eine deutliche Reaktion: Ihr PSA-Wert sank nach Beginn der Champignon-Einnahme um mehr als 50 %. Zwei von ihnen erlebten sogar einen vollständigen Rückgang des PSA-Werts auf nicht messbare Werte, was darauf hindeutet, dass der Krebs möglicherweise vollständig zurückgedrängt wurde.
Einer dieser Patienten war besonders beeindruckend: Sein PSA-Wert stieg ein Jahr lang exponentiell an, dann begann er, täglich Champignonpulver zu nehmen, und sein PSA-Wert fiel auf null und blieb dort. Wohlgemerkt: Dieser Mann hatte bereits eine vollständige Prostataentfernung und anschließende Bestrahlung hinter sich und der Krebs kehrte trotzdem zurück. Bis zum Champignon.
Wichtige Einschränkungen und warum das trotzdem bedeutsam ist
Ehrlichkeit ist hier geboten: Die Studie hatte keine Kontrollgruppe. Es ist möglich, dass es sich um Zufälle handelt. Bei der Mehrheit der Patienten stiegen die PSA-Werte weiter an, ohne auf die Champignons anzusprechen.
Aber: Steigende PSA-Werte nach einer Prostataoperation sind fast immer ein Zeichen von Krebsprogression, spontane Remissionen sind äußerst selten. Und wir sprechen nicht davon, eine giftige Chemotherapie mit erheblichen Nebenwirkungen abzuwägen, wir sprechen von einer Handvoll günstiger, leckerer Champignons pro Tag.
Was ist das Risiko? Keines. Was ist der mögliche Nutzen? Potenziell erheblich. Weitere, kontrollierte Studien sind dringend notwendig, aber in der Zwischenzeit spricht nichts dagegen, Pilze regelmäßig auf den Speiseplan zu setzen.
Fazit: Nicht der Extrakt, der ganze Pilz zählt
Die Lektion aus der Forschung ist klar und ein bisschen ironisch: Teure Extrakte und exotische Heilpilze haben in klinischen Studien beim Prostatakrebs bisher wenig überzeugt. Der schlichte, günstige, allgegenwärtige weiße Champignon hingegen zeigt in einer ersten Pilotstudie echtes Potenzial.
Das passt zu einem Muster, das wir in der Ernährungsforschung immer wieder sehen: Oft ist es nicht das isolierte Supplement oder der konzentrierte Extrakt, sondern das ganze Lebensmittel in natürlicher Form, das die stärksten Effekte zeigt.
Also: Pilze regelmäßig in die Pfanne, auf die Pizza, in die Suppe oder als Beilage. Ob als Prävention oder begleitend zur Therapie, die Wissenschaft gibt grünes Licht.
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