Vegan schwanger und das Baby? Neue Studie räumt mit dem größten Mythos auf
Kaum ein Thema löst so viel Aufregung aus wie die Frage: Kann man in der Schwangerschaft vegan leben und ist das wirklich sicher für das Baby? Kaum ist der Schwangerschaftstest positiv, hagelt es gut gemeinte Ratschläge: „Du musst jetzt Fleisch essen."„Dein Kind braucht Milch."„Vegan in der Schwangerschaft? Das ist doch unverantwortlich!" Doch was sagt die Wissenschaft wirklich dazu? Eine neue Studie liefert klare Antworten und die überraschen viele.
Was hat die Studie untersucht?
Forscher haben die Schwangerschafts- und Geburtsverläufe von veganen Müttern und omnivoren Müttern miteinander verglichen und dabei auf konkrete, messbare Gesundheitsdaten geschaut: Geburtsgewicht des Kindes, Frühgeburtenrate, Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck in der Schwangerschaft.
Das Ergebnis ist eindeutig: Kein signifikanter Unterschied. Weder beim Geburtsgewicht noch bei der Frühgeburtsrate, weder bei der Rate an Schwangerschaftsdiabetes noch bei Bluthochdruckproblemen zeigten sich relevante Abweichungen zwischen veganen und nicht-veganen Müttern.
Der überraschende Bonus: niedrigerer BMI bei veganen Müttern
Ein interessanter Nebenbefund der Studie: Vegane Mütter hatten im Vergleich einen niedrigeren BMI – und das kann in der Schwangerschaft durchaus von Vorteil sein. Ein zu hoher BMI erhöht das Risiko für Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie und Kaiserschnitt.
Das passt auch zu dem, was andere Studien zeigen: Eine gut geplante pflanzliche Ernährung geht häufig mit niedrigeren Raten an Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck einher Erkrankungen, die für Mutter und Kind gleichermaßen gefährlich werden können.
Was sagen die großen Ernährungsorganisationen?
Hier ist etwas, das viele nicht wissen: Die Academy of Nutrition and Dietetics, eine der weltweit angesehensten Ernährungsorganisationen, hält in ihrem offiziellen Positionspapier fest, dass eine gut geplante pflanzliche Ernährung für alle Lebensphasen geeignet ist, einschließlich der Schwangerschaft.
Nicht als Kompromiss. Nicht als Ausnahme. Als vollwertige Option.
Was bedeutet „gut geplant" konkret?
Das Schlüsselwort ist „gut geplant" und das gilt übrigens für jede Ernährungsweise in der Schwangerschaft, nicht nur für vegane. Der Körper hat in dieser Zeit erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen, auf die vegane Mütter besonders achten sollten:
Vitamin B12 ist der wichtigste Punkt. Da B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt, ist eine Supplementierung für vegane Schwangere nicht optional, sondern unverzichtbar. Kein Kompromiss, keine Ausnahme.
Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA) sind essenziell für die Gehirnentwicklung des Babys. Pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse liefern ALA, das der Körper nur begrenzt in DHA umwandeln kann. Eine algensbasierte DHA-Supplementierung, aus derselben Quelle, aus der Fische ihre Omega-3s beziehen, ist daher empfehlenswert.
Jod wird in der Schwangerschaft in größeren Mengen benötigt und kommt in pflanzlichen Lebensmitteln oft in geringen Mengen vor. Jodiertes Salz oder ein Schwangerschaftsmultivitaminpräparat helfen hier zuverlässig.
Eisen steckt auch in Hülsenfrüchten, Tofu, Kürbiskernen und grünem Blattgemüse, die Aufnahme verbessert sich deutlich, wenn du diese Lebensmittel zusammen mit Vitamin-C-reichen Zutaten (z. B. Zitronensaft, Paprika) isst.
Calcium findest du pflanzlich in angereicherten Pflanzendrinks, Tofu, Brokkoli, Grünkohl und Sesam. Wer vielfältig isst, kommt gut an ausreichend Calcium.
Vitamin D sollte in unseren Breitengraden ohnehin jeder supplementieren, schwanger oder nicht, vegan oder nicht.
Und was ist mit dem Baby nach der Geburt?
Auch hier gibt es gute Nachrichten aus der Forschung: Eine weitere Studie zeigt, dass eine vegane Mutter beim Stillen ihrem Baby die wichtigsten Nährstoffe zuverlässig liefern kann, vorausgesetzt, sie selbst ist gut versorgt. Das Stillen funktioniert unabhängig von der Ernährungsweise der Mutter gut, solange der mütterliche Nährstoffstatus stimmt.
Und für das Wachstum der Kinder nach der Geburt? Eine großangelegte retrospektive Studie zeigte: Kinder veganer Eltern entwickeln sich genauso gut wie Kinder, die mit tierischen Produkten aufwachsen, kein Unterschied im Wachstum und in der Entwicklung.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du vegan lebst und schwanger bist oder es werden möchtest, musst du keine Angst haben. Du musst auch keine Kompromisse machen, die sich nicht richtig anfühlen. Was du tun solltest:
Mit einer Gynäkologin oder einem Ernährungsberater sprechen, der pflanzliche Ernährung kennt und versteht. Deine Blutwerte regelmäßig checken lassen, B12, Eisen, Vitamin D, Jod. Ein gutes Schwangerschaftspräparat nehmen, das B12, Jod und DHA enthält. Und: abwechslungsreich und bunt essen: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, Gemüse und Obst in Fülle.
Fazit: Gut informiert statt verunsichert
Die Wissenschaft ist eindeutig: Eine bewusst geplante vegane Ernährung in der Schwangerschaft ist sicher, für Mutter und Kind. Die Sorgen, die oft geäußert werden, sind nicht grundlos, aber sie sind handhabbar. Es geht nicht darum, ob man vegan essen kann in der Schwangerschaft. Es geht darum, wie man es gut macht.
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Quellen & Studien
Studien & wissenschaftliche Artikel
PCRM – Physicians Committee for Responsible Medicine: Vegan Diet During Pregnancy Shows No Difference in Health Outcomes for Babies pcrm.org
PCRM – Physicians Committee for Responsible Medicine: A Maternal Vegan Diet Provides Key Nutrients for Breastfed Babies pcrm.org
PCRM – Physicians Committee for Responsible Medicine: Vegan Diet Supports Healthy Growth in Infants pcrm.org
Śliwińska A. et al. (2024): The Association of a Vegan Diet during Pregnancy with Maternal and Child Outcomes: A Systematic Review. PMC / MDPI. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
Sebastiani G. et al. (2019): The Effects of Vegetarian and Vegan Diet during Pregnancy on the Health of Mothers and Offspring. PMC / Nutrients. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
Baroni L. et al. (2023): The Effects of Vegan Diet on Fetus and Maternal Health: A Review. PMC. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
PCRM – Physicians Committee for Responsible Medicine: Pregnancy – Plant-Based Diets (Übersichtsseite inkl. Positionierung der Academy of Nutrition and Dietetics) pcrm.org
Offizielle Positionspapiere
Academy of Nutrition and Dietetics (AND): Position Paper – Vegetarian Diets – Hält fest, dass eine gut geplante pflanzliche Ernährung für alle Lebensphasen geeignet ist, einschließlich Schwangerschaft und Stillzeit. eatright.org