Erhöht Milch das Parkinson-Risiko? Was die Wissenschaft dazu sagt

Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen weltweit und doch wissen die wenigsten, dass die Ernährung dabei eine entscheidende Rolle spielen könnte. Besonders ein Lebensmittel rückt in der Forschung immer stärker in den Fokus: Milch. Was steckt dahinter? Und was bedeutet das für uns?

Milch und Parkinson Krankheit Zusammenhang

Der stärkste Ernährungsfaktor bei Parkinson

Wenn Wissenschaftler Lebensstil- und Ernährungsgewohnheiten von Parkinson-Patienten analysieren, fällt ein Ergebnis immer wieder auf: Milchprodukte sind die einzige Lebensmittelgruppe, die durchgängig und konsistent mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht wird.

Fünf große Langzeitstudien haben diesen Zusammenhang bestätigt, darunter zwei große Harvard-Studien (die Nurses' Health Study und die Health Professionals Follow-up Study), die zusammen über 100.000 Menschen über Jahrzehnte beobachtet haben. Das Ergebnis: Wer am meisten Milch trinkt, hat im Vergleich zu denen, die am wenigsten trinken, ein rund 50 % höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ergebnis ein reiner Zufall ist, liegt bei weniger als 1 zu 100.000.


Was passiert im Gehirn?

Parkinson entsteht vor allem durch den Verlust ganz bestimmter Nervenzellen in einem wichtigen Hirnareal, der sogenannten Substantia nigra. Wenn dort die meisten dieser Neuronen abgestorben sind, treten die ersten Symptome auf.

Eine bemerkenswerte Studie untersuchte, wie viel Milch Menschen in ihren 40ern, 50ern und 60ern tranken und verglich das dann mit der Anzahl der noch vorhandenen Neuronen in diesem Hirnbereich bei der Obduktion. Das Ergebnis war eindeutig: In jeder einzelnen Hirnregion war die Neuronendichte am höchsten bei Menschen, die keine Milch tranken und am niedrigsten bei denen, die am meisten Milch konsumierten. Selbst nach Ausschluss der Parkinson-Fälle hatten Menschen, die täglich zwei Gläser (ca. 473 ml) Milch tranken, bis zu 40 % weniger Nervenzellen in diesem kritischen Bereich.


Pestizide im Gehirn

Eine mögliche Erklärung: In den Gehirnen derjenigen, die am meisten Milch konsumierten, wurden bei 9 von 10 Personen Rückstände des inzwischen verbotenen Pestizids Heptachlorepoxid gefunden. Es ist gut vorstellbar, dass diese giftigen Rückstände, die sich in Milch anreichern können, maßgeblich zur Schädigung der Nervenzellen beitragen.


Der Milchzucker Galaktose als weiterer Verdächtiger

Doch Pestizide sind nicht die einzige mögliche Ursache. Wenn wir Milch trinken, wird der enthaltene Milchzucker Laktose im Körper zu Galaktose abgebaut. Galaktose ist genau der Stoff, den Forscher im Labor nutzen, um künstlich Gehirnalterung zu simulieren. Bereits Mengen, die durch den täglichen Konsum von zwei Gläsern Milch erreicht werden können, können laut Studien zu krankhaften Veränderungen in Gehirnzellen führen, ähnlich denen, die bei Parkinson beobachtet werden. Besonders anfällig dafür scheinen ausgerechnet jene Dopamin-produzierenden Neuronen zu sein, deren Verlust Parkinson verursacht.

Und wer jetzt denkt: „Dann trinke ich einfach laktosefreie Milch!", leider kein Ausweg: Laktosefreie Milch wie z. B. Lactaid enthält dasselbe Galaktose, es wurde lediglich bereits im Vorfeld aufgespalten, statt erst im Darm.


Was ist mit Magermilch?

Auch wer zu fettarmer Milch greift, ist nicht auf der sicheren Seite. Denn der erhöhte Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Sterblichkeit wurde unabhängig vom Fettgehalt der Milch beobachtet. Magermilch ist zwar fettfrei, aber nicht galaktosefrei.


Gedächtnis und kognitive Leistung

Galaktose könnte auch erklären, warum ein hoher Milchkonsum im mittleren Lebensalter mit einem schnelleren kognitiven Abbau im Alter verbunden ist. In Tierversuchen wird Galaktose gezielt eingesetzt, um Gehirnalterung und oxidativen Stress zu erzeugen. Menschen, die mehr als ein Glas Milch pro Tag trinken, zeigen im Vergleich zu Menschen, die Milch selten oder gar nicht trinken, eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen messbaren Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit.


Fazit

Die Forschungslage ist bemerkenswert klar: Milchprodukte sind der einzige Ernährungsfaktor, der in mehreren großen Studien konsistent mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht wird. Ob der Auslöser das Pestizid Heptachlorepoxid, der Milchzucker Galaktose oder eine Kombination aus beidem ist, die Hinweise häufen sich. Das bedeutet nicht, dass ein gelegentliches Glas Milch sofort schadet. Aber es lohnt sich, bewusster mit dem eigenen Konsum umzugehen und pflanzliche Alternativen zumindest in Betracht zu ziehen.

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